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INFORMATIK 2021 - Informatik und Nachhaltigkeit

Von Ulrike Lucke, Vize-Präsidentin Gesellschaft für Informatik

Der Vorstand der Gesellschaft für Informatik will Nachhaltigkeitsfragen noch stärker in den Fokus der Arbeit
der gesamten Fachgesellschaft rücken und hat deshalb beschlossen, als Auftakt zu einem umfassenderen Prozess die Jahrestagung im kommenden Jahr, die „INFORMATIK 2021“ in Berlin, unter das Leitthema „Informatik und Nachhaltigkeit“ zu stellen. Gemeinsam mit dem Fachausschuss Umweltinformatik, dem Fachbereich Künstliche Intelligenz und weiteren Gliederungen sollen Nachhaltigkeitsfragen in der Breite der Informatik diskutiert werden.

Vier Handlunsgfelder der Nachhaltigkeit in der Informatik

Ganz im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele stellen die ökologischen Aspekte im Kontext der Digitalisierung aber nur eine Dimension dar, die wir als Fachgesellschaft grundsätzlich und im Hinblick auf die „INFORMATIK 2021“ speziell in den Blick nehmen wollen. Dabei stellen der Natur- und Klimaschutz sowie die nachhaltige Ressourcennutzung ein wichtiges Kernanliegen dar. Wir fragen: Welche Lösungsansätze bietet die Informatik für drängende Umwelt- und Naturschutzfragen? Wie können Ressourcen mit digitalen Werkzeugen effizienter eingesetzt werden? Damit setzt sich der GI-Fachausschuss Umweltinformatik seit mehr als 30 Jahren auseinander.

Gleichzeit stellt sich in Zukunft verstärkt die Frage, wie Klimaeffekte der zunehmenden Digitalisierung reduziert werden können. Damit sind wir bei der zweiten, einer technologischen Dimension. So macht der Betrieb von Rechenzentren mittlerweile einen signifikanten Teil des Energieverbrauches aus. Das Training eines komplexen KI-Systems zur Bilderkennung kann beispielsweise genauso viel CO2 freisetzen wie fünf PKW im Laufe ihrer gesamten Lebensdauer. Im Rahmen der GI-Jahrestagung 2021 wollen wir u. a. die Frage adressieren, wie effizientere und ressourcenschonendere Algorithmen, Architekturen und informatische Systeme konzipiert werden können. Kann „Sustainability by Design“ zum Grundprinzip der Entwicklung von Soft- waresystemen werden? Wie können Forschungsdaten aus der Informatik auch noch in Jahrzehnten effizient nachgenutzt werden?

Darüber hinaus hat die Digitalisierung unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch eine soziale und eine ökonomische Dimension. Wie wird sich Arbeit durch die Digi- talisierung verändern, wie gestalten wir die Arbeitswelt der Zukunft, und welche Anforderungen stellt das an die informatischen Systeme, die diese Strukturen unterstüt- zen? Wie muss eine gute Bildung in der und für die digital vernetze Welt aussehen, und wie muss sich unser Bil- dungssystem in der Post-Corona-Zeit verändern? Welcher Governance-Strukturen bedarf es im Internet der Zukunft oder beim Einsatz von künstlicher Intelligenz? Bedarf es einer neuen Ethik in der digitalen Welt, wie kann Regulie- rung aussehen und welche Rolle muss die Informatik dabei spielen? Soll die GI curriculare Empfehlungen für Green Coding entwickeln, und wie können diese aussehen?

Diese Fragen und noch viele mehr wollen wir im Rahmen der „INFORMATIK 2021“ in Berlin mit Ihnen diskutieren und hoffen, dass die 51. Jahrestagung nicht nur an die 50 erfolgreichen Vorgängerveranstaltungen anknüpft, sondern auch einen Aufbruch zur Verankerung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Mitte der Informatik markiert.